Indien Himalaya – Leh Ladakh im Februar – Ein Winterabenteuer

Teil 1 – Eine Woche Höhentraining absolviert

Eigentlich hatte ich Indien als Reiseziel gar nicht auf dem Schirm. Dann aber kam da die Nachricht von der Moni, der Schwester von meinem Freund Philip. Sie lud uns nach Trivandrum, im Süden Indiens, zu ihrer Hochzeit ein. Für den Philip war es klar, dass er dort hinfliegen wird und auch ich entschied mich zu einer Zusage und möchte ihn begleiten. Wann hat man schon mal die Gelegenheit eine Indische Hochzeit mitzuerleben. Von Anfang an war klar, wenn wir schon in Indien sind, wollen wir im Himalaya vorbeischneien und dort mal Höhenluft schnuppern und die beeindruckenden Berge kennenlernen. Das vorherige Wort ‚vorbeischneien‘ kann auch wörtlich genommen werden. Erstens haben wir leider nur begrenzt Urlaubstage, also ein kurzer Aufenthalt, und zweitens ist die Hochzeit im Januar, im höchsten Winter in Indiens bergreichen Norden.

Wir haben uns zuerst verschiedene Ziele im Himalaya rausgesucht, unter anderem Sikkim, Himachal Pradesh und Ladakh. Letztendlich haben wir uns dann für Leh in Ladakh entschieden. Ladakhs Hauptstadt liegt auf 3500 Metern inmitten einer tollen Bergkulisse. An diesem Ziel reizen uns der Nepalesische Einfluss und die einzigartige, wüstenähnliche Landschaft. Die Region ist ein Paradies für Abenteurer heißt es. Vor Ort erwarten uns winterliche Temperaturen bis 30°C. Unser Plan ist es, einen 5000er zu besteigen, ohne große Expeditionsgruppe. Für alle Berge unter 6000m wird kein extra Bergsteiger-Permit benötigt, das ist gut für uns, denn unser Budget ist begrenzt.

Unser Organismus reagiert empfindlich auf eine plötzliche und anhaltende Änderung der Höhe, deshalb muss man sich normalerweise zeitaufwendig im Zielland Akklimatisieren. Wir haben nicht ausreichend Zeit, um uns vor Ort an die Höhe zu gewöhnen, so sind wir auf Hypoxicum gekommen, das Institut für Höhentraining. Mit einer geplanten Akklimatisierung im Vorfeld unserer Reise sollten wir vor Ort weniger Probleme haben und unsere Bergabenteuer direkt angehen können. Eine Fotowand im Hypoxicum Trainingszentrum zeigt, dass bereits eine Menge Bergsteiger sich mit Höhentraining auf ihre Expedition vorbereitet haben. Mal sehen, ob auch wir bald mit einem Gipfelbild an dieser Wand hängen.

Zwei Wochen blieben uns für die Vorbereitung, bis zum Flug nach Indien. Anstatt jeden Tag passiv mit Maske zu trainieren, hat uns Hypoxicum ein Höhenzelt als optimale Lösung vorgeschlagen. Das Zelt kann man zu Hause, zum Beispiel im Wohnzimmer, aufstellen. Es ist relativ luftdicht und über einen Schlauch mit einem mobilen Höhengenerator verbunden. Dieser bläst sauerstoffverminderte Luft in das Zelt, was ermöglicht, auf einer imitierten Höhe zu schlafen. Bekanntlich das größte Problem bei der Akklimatisierung.

Wir waren neugierig auf diese Methode der Akklimatisierung und haben uns ein Zelt mit Generator geliehen. Seit einer Woche schlafen wir jetzt jede Nacht im Zelt im Wohnzimmer, bis auf eine Nacht, die wir in den Bergen in einem Winterraum auf 2300mm verbracht haben. Das Zelt ist groß genug, dass eine normale Matratze knapp reinpasst. Der Generator ist etwas lauter, also haben wir ihn im Badezimmer platziert, dann trennen uns zwei Türen vom Gerät und die Lautstärke ist gut gedämmt.

Gestartet haben wir am ersten Tag auf einer Höhe von 2750m. Puls und Blutsauerstoffsättigung messen wir vor und nach dem schlafen im Zelt und senden diese Werte an Hypoxicum. Dort werden die Werte (täglich) überwacht und mit unseren Standardwerten verglichen. (Um ein gesundheitliches Risiko auszuschließen.)

Eine Woche ist nun rum, inzwischen schlafen wir auf 3150m. Es geht uns gut. Wir schlafen gut im Zelt, obwohl es etwas schwitzig ist und man manchmal gerne lüften würde, doch es gibt keine Komplikationen.

In einer guten Woche geht’s los. Zuerst werden wir uns im Süden auf Meereshöhe aufhalten, was natürlich nicht optimal ist, doch dort ist die Hochzeit und die können wir natürlich trotz Bergsehnsucht nicht auslassen. Wir erhoffen uns vom Höhenzelt (auch mit dieser Unterbrechung) eine spürbar bessere Akklimatisierung, sobald wir in die Höhe kommen und die Möglichkeit schneller aufsteigen und hoch schlafen zu können, sodass wir trotz unserer begrenzten Zeit einen stolzen Gipfel erreichen können.

Ich bin auf alle Fälle neugierig, wie die kommende, weitere Woche Höhentraining verläuft.

Stay Tuned! Eure Susi

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