Indien Himalaya – Leh Ladakh im Februar – ein Winter Abenteuer

Teil 3 – Das Abenteuer beginnt

Der Tag der Abreise war gekommen. Bis zur letzten Nacht hatten wir das Höhenzelt in Benutzung und haben uns über Nacht akklimatisiert, bis letztlich auf einer Höhe von 4000m.

Nun ging es wirklich los, die langerwartete Reise beginnt. Erst ganz in den Süden (zur Hochzeit) und dann 2500km in den höchsten Norden Indiens.

Der erste Teil des Urlaubs im Süden Indiens war heiß, dreckig und interessant. Vom deutschen Winter, in 25 Grad schwüle Temperaturen zu kommen, war erst einmal eine Umstellung. Selbst nach einer Woche hatte ich mich nicht an die Hitze gewöhnt und schwitzte ständig. 

Schockiert hat mich ein Abstecher ans Meer. Die an sich so schöne Natur verdreckt mit so viel Müll, wie ich noch nirgendwo auf der Welt gesehen habe. Ein weiter, toller Sandstrand, aber die gesamte Fläche übersäht mit Abfall, vor allem Plastik und viele Glasflaschen. Ich habe kein Foto gemacht… Meinen Spaziergang dort zwischen unzähligen streunenden Hunden und dem Müll werde ich so schnell nicht vergessen. Aber auch in der Stadt und überall, Müll.

Interessant war die Hochzeit, die Kultur, die Leute und ihre Gewohnheiten. Ein spannender Einblick in ein Leben, welches ich mir für mich nicht vorstellen könnte. Das Essen war schon lecker.

Abflug in den Norden des Landes, über Delhi nach Leh in Ladakh auf 3500m. Seit Oktober 2019 ist Ladakh ein eigenständiger Bundesstaat, unabhängig von Jammu & Kaschmir. Die Bewohner hoffen somit auf mehr Autonomie und die eigenständige Verfügung der Einnahmen aus dem Tourismus und dadurch positiven Aufschwung des Tourismus.

Im Sommer ist Leh ein Trekking-Eldorado, ein sehr beliebtes Ziel für Mehrtageswanderungen und Gipfelbesteigungen. In den wärmeren Monaten kommen bis zu 10 Flugzeuge pro Tag an, im Winter sind es nur drei. Viele Shops und Hotels sind im Winter geschlossen. Wir wollten auch im Winter auf einen Gipfel, und hatten uns unsere eigene kleine Expedition zusammengestellt. Der Nindum Lahri mit 5500m war unser Ziel. Bereits nach einer Nacht in Leh sollte es losgehen. Zuerst nach Henasku zu einem Homestay, von welchem aus wir am Folgetag zum Base Camp auf 4400m aufbrechen wollten. Ein sportlicher Plan. 

Vom Flughafen fuhren wir per Taxi zu unserem Hostel, aßen etwas und legten uns für zwei Stunden aufs Ohr. Dann trafen wir uns mit unserem Expeditions-Guide.

Doch mich beschäftigte etwas anderes: Noch im Süden hat es angefangen, ein Kratzen im Hals, Husten. Die Klimaanlage im Flugzeug war sicher nicht optimal und spätestens die trockene, kalte Luft in Leh hat meiner Lunge stark zugesetzt. Unsere erste Unterkunft war arschkalt, nur ein Raum war durch einen kleinen Feuerofen beheizt, die Toilette draußen bei Minusgraden. Die kalte und rauchige Luft in der Herberge gaben mir den Rest. Ich wurde krank. Noch nie hat meine Lunge so gebrannt. 

Noch an diesem Tag startete, ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, das erste Eiskletterfestival Ladakhs, welches wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. So sind wir mit einem Taxi auf 4000m gefahren. Das Festival war von den Mountain Guides der Region organisiert, um den Einheimischen das Eisklettern näher zu bringen. Ich war nur Zuschauer, Philip zögerte nicht lange, legte Steigeisen an und begab sich mit ein paar Guides an die Eiswand. Diese Bekanntschaft sollte unseren weiteren Aufenthalt definieren… 

Gleich am nächsten Morgen sind wir in ein anderes Hotel umgezogen mit Zentralheizung und Warmwasser, eine Seltenheit in der Stadt und jeden Cent wert. In der Apotheke habe ich mir noch allerlei Mittelchen geholt, um die Erkältung baldmöglichst in den Griff zu bekommen, aber es wurde schnell klar, dass wir nicht wie geplant starten konnten. Auch eine weitere Nacht machte mich nicht gesund und wir mussten die Konsequenzen ziehen. In einer Krisensitzung mit unserem Guide wurden noch verschiedene Optionen besprochen, zum Beispiel, ob wir es noch zeitlich verschieben können. Aber wegen meines begrenzten Zeitfensters und meinem Gesundheitszustand wurde diese Möglichkeit bald ad Acta gelegt. Wir haben auch überlegt, ob der Philip ohne mich aufbricht, aber auch diese Option kam für uns am Ende nicht in Frage. Somit haben wir unsere Expedition schweren Herzens gecancelt. Wir haben noch die Stornobedingungen geklärt, einiges Geld gelassen und uns schlussendlich von unserem Guide verabschiedet.

Für mich stand dann erst mal „gesund werden“ auf dem Programm. Ich habe viel geschlafen und bin tagsüber nur durch die Stadt geschlendert.

Einen Tag bin ich zum Palast und zum Tempel aufgestiegen, diese liegen oberhalb der Stadt am Berg. Ich habe gefühlt ewig gebraucht bis ich den Serpentinen Trampelpfad endlich oben war. Ich bin ganz langsam gegangen und trotzdem war jeder Schritt mühsam. Ich kann nicht genau sagen, ob das an meiner Bronchitis lag oder ob hier bereits die Höhe eine Rolle gespielt hat. Wahrscheinlich beides in Kombination.

Für den Rest der Zeit im Himalaya sind wir mit zwei Bergführern der Ladakh Mountainguide Association, die wir beim Eiskletterfestival kennengelernt haben, ins Nubra Valley gefahren, über den höchsten, befahrbaren Pass der Region, den Kardung La auf 5300m. Hier liegt selbstverständlich Schnee auf den Straßen, die dank dem Militär aber geräumt und befahrbar sind. Oben am Pass sind wir ausgestiegen und etwas herumgelaufen. Da hat man die Höhe schon extrem gemerkt, zudem war es klirrend kalt. 

Einer der Guides kommt aus dem Nubra Tal und wir durften bei seiner Schwester übernachten. Jede Nacht haben wir dann bei einer anderen Familie verbracht und wir wurden überall sehr herzlich aufgenommen. Auch wenn man morgens mal etwas länger auf ein Frühstück warten musste, gibt es eher zu viel zu Essen, als zu wenig und alles immer frisch zubereitet. 

Im Tal haben wir eine Wanderung gemacht, haben ein buddhistisches Kloster besucht und die Jungs waren nochmal Eisklettern. Das Dorf Panamik liegt an natürlichen heißen Quellen, hier kommt kochendes Wasser aus dem Boden, was im Winter ein besonderer Luxus ist. Da haben wir uns ein Bad natürlich nicht entgehen lassen.

Allmählich ging meine Zeit in Indien zu Ende. Ich fuhr mit dem Taxi zurück in die Stadt, hab dort noch ein paar Mitbringsel besorgt und bin früh ins Bett, da mein Wecker am nächsten Morgen um 5:30 Uhr ging, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. 

Zwischenstopp in Delhi und Dubai und dann war ich schon froh wieder auf deutschem Boden zu sein. Meine Mama hat mich vom Flughafen abgeholt und ratet mal was es zum Abendessen gab. Indisches Curry….

Was hat jetzt die Akklimatisierung im Höhenzelt gebracht? Wir haben vom ersten Tag an auf der Höhe gut geschlafen, hatten keine Kopfschmerzen oder Übelkeit. Ich würde sagen, das ist schon mal super. Andere haben uns erzählt, sie haben nach ihrer Ankunft in Leh erst mal 3 Tage gebraucht, um klar zu kommen. Schwierig zu sagen bei mir, weil ich einfach krank war.  Wissen werden wir es wohl nie, aber ich bin mir sicher, dass wir dieses Höhentraining nicht umsonst gemacht haben, und eine Erfahrung war es allemal.

Abschließend möchte ich sagen, es war wirklich ein sehr interessanter Urlaub. Auf jeden Fall ein Abenteuer und ich kann mir durchaus vorstellen nach Leh zurückzukehren, dann aber im Sommer und mit mehr Zeit 😊

Eure Susi

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